Wettbewerb für temporäre Kunst
Auf dem ERBA-Gelände, dem Hauptgelände der Landesgartenschau, hält die Kunst Einzug. Im Oktober 2010 wurde mit konzeptioneller Unterstützung durch den Berufsverband Bildender Künstler Oberfranken und dem Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg der Wettbewerb "Temporäre Kunst auf der Landesgartenschau in Bamberg" ausgelobt. Teilnahmeberechtigt waren professionell arbeitende Künstlerinnen und Künstler aus Franken bzw. mit besonderem biographischem Bezug zu Franken.
Während der Landesgartenschau sollen sechs Arbeiten auf dem ERBA-Gelände ausgestellt werden. Die Sparkassenstiftung ist als großer Förderer der Kunst bekannt – sie wird das Kunstprojekt der Landesgartenschau 2012 mit einem sechsstelligen Betrag fördern. So ist geplant, die sechs Arbeiten in einem Skulpturenweg zu zeigen. Einige der Arbeiten sollen sogar für den dauerhaften Verbleib auf der ERBA erworben werden. Für diese Unterstützung recht herzlichen Dank!
Die Resonanz auf die Ausschreibung zum Kunstwettbewerb war überragend: 70 Arbeiten wurden eingereicht. Eine hochkarätigen Jury von Fach- und Sachpreisrichtern hatte die Qual der Wahl und hat die sechs Arbeiten für die Landesgartenschau ausgewählt. Bei der Auswahl standen für die Jury sechs Kategorien im Vordergrund: Das Thema Kommunikation/Interaktion sollte ebenso berücksichtigt werden, wie die traditionelle Gartenskulptur oder das Thema Natur und Mensch. Außerdem waren Arbeiten gewünscht, die die Verbindung der Landesgartenschau mit der gesamten Stadt thematisierten oder das ortsbezogene Konzept der ERBA, also den Matrixgedanken vom Planer der Landesgartenschau berücksichtigen. Auch wurde eine Arbeit gefordert, die sich ausschließlich für eine temporäre Ausstellung eignet.
Eine Hierarchie der einzelnen Arbeiten konnte und wollte die Jury nicht festlegen. Die Siegerentwürfe haben alle gleichermaßen überzeugt. Bis zur Eröffnung der Landesgartenschau am 26. April 2012 werden alle Kunstwerke realisiert und können dann von den Besuchern bestaunt werden.
Siegermodelle
Gerhard Schlötzer, Bamberg: "Installation"

„Die Installation greift das Grundkonzept der verwobenen Matrix auf. Die durch das Gelände gelegten Achsen werden nicht nur gedanklich, sondern auch physisch in den angrenzenden Stadtraum und die Landschaft verlängert. Dies geschieht dadurch, dass der Künstler versucht, sich so nahe wieg möglich an den virtuellen Achsen entlang schwimmend und gehend bis zum Horizont bewegt. Die Position wird kontinuierlich durch einen GPS Datenlogger aufgezeichnet. Durch seine Bewegung stellt er eine körperliche und in Dokumenten sichtbare Verbindung zwischen der Landesgartenschau und der sie umgebenden Stadt her.“
Zwei Dokumente dieser Arbeit werden zu sehen sein: Edelstahltafeln an den Austrittspunkten der Achsen zeigen den Kartenausschnitt und die gedankliche sowie die tatsächlich gelaufene Linie sowie ein 2-minütige Zeitrafferfilme, die von einer Helmkamera aufgenommen werden, zeigen in komprimierter Form den Stadtraum entlang der Achse.
Zum Künstler:Geboren 1963 in Forchheim
1984 - 1990 Studium der Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Kunsterziehung in Bamberg
Seit 1991 freischaffender Fotograf in Bamberg
Roland Schön, Neudrossenfeld: "Rotkehlchen Schwarzwurzel"

Eine Lichtinstallation zur Gartenschau. Form und Inhalt des Kunstwerks nehmen Bezug auf den Ort der Gartenschau als ehemaliges Industrieareal und seinen Umgriff des Gewerbegebietes. Auf spezifische Weise übernimmt es die ästhetische Methode der Ökonomie und überträgt sie als Label dem neuen Parkgelände. Gleichzeitig gebraucht sie eine eigene Verbindung aus Sprachwitz und Absurdität. Im Gegensatz zum Beispielbild soll die Installation als klares Label gefertigt sein. Ggf. kann es auch als Wandbeschriftung ausgeführt werden. Die Proportionen sollen einen klaren Bezug zu den Beschriftungen der gegenüberliegenden Hafengebäude herstellen.
Zum Künstler:Geboren 1964 in Neuhof, Landkreis Bayreuth
1987 - 1992 Studium der Freien Malerei an der Akademie der bildenden Künste Stuttgart
Lebt in Neudrossenfeld
Axel Luther, Bayreuth: "Luftdrache"

Wie eine Kalligrafie an den Himmel gewebt tanzt diese Skulptur im Wind. Die Struktur des Objektes ist flexibel und bietet den Gewalten der Elemente wenig Widerstand, hat aber eine hohe Resilienz. Das Weiche besiegt das Harte, indem es der Kraft seine Beweglichkeit entgegensetzt. Der generelle Aufbau verwendet Strukturen von Gewebe als Konstruktionselement. Draht wird gewickelt und verflochten, so verteilen sich die auftretenden Kräfte im Körper und versetzen ihn in Schwingung.
Zum Künstler:Geboren 1951 in Bayreuth
„Meine Ausbildung war das Leben“
Seit 1986 freischaffend, Atelier in Hollfeld
Rainer Kurka, Berlin: "Figur - Raum - Natur"

„Das enge Zusammenspiel von Gartenkunst, Architektur und figürlicher Plastik hat als typisches Merkmal des Barock das historische Stadtbild Bambergs in besonderer Weise geprägt. Herausragendes Beispiel ist der Garten der Bamberger Residenz, heute Rosengarten, der 1761 mit Statuen antiker Götter von Ferdinand Tietz gestaltet wurde. Auch in der Parkanlage des Hains wurde figürliche Plastik in Form von Denkmalsplastik harmonisch in die Anlage eingefügt.
Die Gartenanlage der Landesgartenschau am nördlichen Ende der Insel bildet das Pendant zum ca. 200 Jahre älteren Hain. Die zeitgenössische figürliche Plastik schließt bewusst an die Tradition von Figur und Gartenbaukunst an und führt sie in die Gegenwart.
Die Figur zeigt eine junge Frau, die lässig im Freien sitzt und in der Sonne badet. Vielleicht hat sie im Fluss gerade ein Bad genommen oder möchte es gerne tun. Sie blickt verträumt in die Ferne, ohne ein bestimmtes Ziel zu fixieren und genießt die Natur. Die Figur wird als lebensgroße Plastik in Bronze modelliert. Inkarnat und Bikinihose werden farbig gefasst, in anderen Bereichen wie der Sonnenbrille und eventuell auch den Haaren, bleibt die Bronzeoberfläche unbemalt.“
Zum Künstler:Geboren 1974 in Erlangen
1988 - 1992 Bildhauerei in Bamberg bei dem Bildhauer Reinhard Klesse
1994 - 2002 Studium der Architektur an der TU Darmstadt
1997 - 1998: Studium an der Universitá degli Studi di Firenze
Lebt und arbeitet in Berlin
Jan Vormann, Bamberg: "dispatchwork"

„Das Projekt Dispatchwork besteht aus der Reparatur und Instandsetzung von schadhaften Mauern und Häuserwänden mit bunten Legobausteinen und ist letztlich als temporäre Reparatur zu verstehen. Das Projekt setzt sich unmittelbar mit dem Verhältnis von Bewohnern urbaner Lebensräume und ihrer materiellen Umwelt auseinander. In Anlehnung an die gestalterischen Konzepte von Streetart und Graffity, welche heutzutage nahezu jedes Stadtbild in Form von bunten Bildern und Schriftzügen prägen, entwickelt Dispatchwork dieses gestalterische Konzept im Sinne abstrakter und „zufälliger“ Form- und Farbfindung weiter. Als Kunst im öffentlichen Raum konzipiert, verinnerlicht Dispatchwork außerdem die Gegensätze der Entstehung architektonischer Strukturen und ihrer Vergänglichkeit im Laufe der Zeit.“
Zum Künstler:Geboren 1983 in Bamberg
2004 - 2010 Studium der freien Kunst und Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee
Lebt in Bamberg
Matthias Höppel, Nürnberg: "Schnecken I - VII"

„Das Prinzip der Vernetzung, der als Grundgedanke bei der Landesgartenschau zur Anwendung kommt, findet sich in der Arbeit „Schnecken I-VII“ wieder.
Die gemeine Nacktschnecke ist unter allen Gartenfreunden bekannt, wenn auch nicht sehr beliebt. Sie sind trotz ihrer Bekanntheit ein noch wissenschaftlich wenig erforschtes Gebiet.
Was mich an Nacktschnecken fasziniert ist ihre Unverwüstlichkeit und ihre Art der Fortbewegung. Jedes Jahr werden sie zu Millionen und Abermillionen vernichtet, nur um im darauf folgenden Jahr in gleicher Zahl wieder zu kommen. Ihre Bewegungen sind langsam, aber zielstrebig. Sie gleiten auf ihren Spuren mühelos über fast jeden Untergrund und dabei hinterlassen sie Spuren. Diese Spuren verweben sich zu einem Netz (….)
Die Geschwindigkeit, mit der sich die Schnecken bewegen, ist sprichwörtlich lahm, dennoch kommen sie an ihr Ziel. Ein Betrachter soll dazu eingeladen werden zu verlangsamen, sich dem Tempo der Schnecken anzupassen und so das Gelände der Landesgartenschau mit seinen vielen Facetten erleben.“
Zum Künstler:Geboren 1980 in Bamberg
2001 - 2008 Studium der Freien Grafik, Malerei und Objektkunst an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg
2008 und 2010 Staatsexamen in Kunsterziehung
Lebt und arbeitet in Nürnberg und Bamberg