03 Von der Industriebrache zum Park
Auf der ERBA-Insel wurde von 1858 bis 1993 Baumwolle gesponnen. ERBA steht für Erlangen-Bamberg; die Wasserkraft der Regnitz lieferte die Energie, und genau deshalb stand das Werk auf einer Insel. Nach dem Ende der Produktion fiel das rund 20 Hektar große Areal brach — eine schwer nutzbare Fläche mitten in der Stadt, in Teilen mit Altlasten im Boden.
Die Bewerbung um die Landesgartenschau bot die Chance, diese Brache neu zu denken. Den Gestaltungswettbewerb gewann 2007 der Landschaftsarchitekt Hans Brugger aus Aichach. Sein Leitbild war ein „Matrix-Gewebe“: offene Wiesentrapeze, die sich mit geometrisch gegliederten Pflanzfeldern, Hecken und Spielbereichen abwechseln. Drei pyramidenförmige Aussichtshügel von etwa drei bis fünf Metern Höhe decken belasteten Boden sicher ab und dienen heute als Aussichtspunkte — Sanierung und Gestaltung in einem.
Das wasserbauliche Kernstück war der Fischpass: eine rund 1,2 Kilometer lange Anlage mit etwa vier Metern Höhenunterschied, die rund zwei Millionen Euro kostete und die untere Regnitz für wandernde Fische wieder durchlässig macht. Dazu kamen Höhepunkte wie der „Patchwork-Garten“ mit 16 Einzelgärten, acht Themengärten am Flussufer, fünf „Sams“-Spielwelten — entwickelt mit dem Bamberger Autor Paul Maar — und ein Weinberg am Fuß des Klosters Michelsberg.
Der entscheidende Unterschied zu einer klassischen Wechselausstellung lag im Plan dahinter: Das Gelände war von Beginn an als dauerhafter Stadtpark mit Universitätsquartier gedacht. Deshalb wurde nach dem 7. Oktober 2012 nicht abgebaut. Rund 13 Hektar blieben als öffentlicher Park, auf etwa fünf Hektar entstanden der Campus der Universität Bamberg und Wohnungen; die historischen Backsteinhallen wurden zu Hörsälen, Seminarräumen und Wohnungen umgebaut.
Eine Landesgartenschau ist dabei mehr als ihre Beete. Über die gesamte Saison begleitete die Schau ein dichtes Veranstaltungsprogramm — vom interreligiösen „GottesGarten der Religionen“ bis zu Mitmach- und Lernorten. Hinzu kam Kunst im öffentlichen Raum: Werke auf dem Gelände und die vielbeachtete Ausstellung „12 Kunsträume“ in der Stadtgalerie Villa Dessauer, die Arbeiten von Picasso bis Warhol bis in die Innenstadt brachte. Und über die Insel hinaus bleibt Bamberg eine Gartenstadt im Wortsinn: Die historische Gärtnerstadt mit ihrem innerstädtischen Erwerbsgartenbau gehört seit 1993 zum UNESCO-Welterbe.
So schließt sich der Bogen von der Spinnerei über die Schau bis zur grünen Insel von heute. Den ganzen Weg zeichnet die Geschichte der ERBA nach; was der Park heute bietet, zeigt die Seite zum ERBA-Park heute.