Vom 26. April bis zum 7. Oktober 2012 war Bamberg Schauplatz der 16. Bayerischen Landesgartenschau. Über 165 Tage verwandelte sich die ehemalige ERBA-Baumwollspinnerei in einen blühenden Park — und zog rund 1.050.000 Besuche an. Anders als bei vielen Gartenschauen war das Ziel von Anfang an nicht nur ein schöner Sommer, sondern ein dauerhaftes Stück Stadt. Wie das gelang, lässt sich heute im ERBA-Park direkt nachvollziehen.
01 Was war die Landesgartenschau Bamberg 2012?
Bayerische Landesgartenschauen sind Garten- und Stadtentwicklungs-Ausstellungen, die in mehrjährigem Abstand an wechselnden Orten im Freistaat stattfinden. 2012 war Bamberg an der Reihe — als 16. Ausgabe dieser Reihe. Veranstalterin war die eigens gegründete Landesgartenschau Bamberg 2012 GmbH.
Schauplatz war die rund 20 Hektar große Insel der früheren ERBA-Spinnerei, umgeben von der Regnitz und dem Main-Donau-Kanal. Damit lag die Schau nicht auf der „grünen Wiese“, sondern auf einer echten Industriebrache mitten in der Stadt — eine Ausgangslage, die das gesamte Konzept prägte.
02 Der Weg zur Schau: Bewerbung und Planung
Schon Jahre vor der Eröffnung begann die Planung. Den Gestaltungswettbewerb gewann im Sommer 2007 der Landschaftsarchitekt Hans Brugger aus Aichach. Sein Leitbild war das eines „Matrix-Gewebes“: ein Muster, in dem sich offene Wiesentrapeze mit geometrisch gegliederten Pflanzfeldern, Hecken, Spielbereichen und kleinen Plätzen abwechseln. So sollte aus dem unübersichtlichen Industrieareal eine klar lesbare Parklandschaft werden.
Eine besondere Herausforderung war der Boden: Nach über einem Jahrhundert Industrie waren Teile des Geländes belastet. Die Lösung war zugleich gestalterisch: Drei pyramidenförmige Erdhügel von etwa 3 bis 5 Metern Höhe decken belastetes Material sicher ab und dienen heute als Aussichtspunkte über den Park. Sanierung und Gestaltung gingen hier Hand in Hand. Wie das Gelände im Detail aufgebaut wurde, zeigt die Seite zum Gelände & Plan.
03 Das Gelände: die ERBA-Insel als Schauplatz
Die Lage auf einer Flussinsel gab der Schau ihr Gesicht. Umgeben von Regnitz und Main-Donau-Kanal, war das Wasser allgegenwärtig. Neue, durchgehende Uferwege verbanden die nördlichen und südlichen Grünzüge der Stadt, und an vielen Stellen rückte der Fluss wieder näher an die Besucherinnen und Besucher heran.
Das wasserbauliche Kernprojekt war der Fischpass: eine rund 1,2 Kilometer lange Anlage mit etwa 4 Metern Höhenunterschied, die rund 2 Millionen Euro kostete. Sie überwindet ein Wanderungshindernis, das die untere Regnitz lange Zeit für Fische unpassierbar gemacht hatte. Was als ökologische Maßnahme begann, ist bis heute ein landschaftlicher Höhepunkt des Parks.
04 Höhepunkte und Themengärten 2012
Zwischen den Wiesen und Wasserläufen entstand 2012 eine Vielzahl gestalteter Gärten und Mitmach-Orte. Zu den meistbesuchten Bereichen zählten:
- Der „Patchwork-Garten“ mit 16 Einzelgärten auf rund 1.600 Quadratmetern, gestaltet von Bamberger Fachleuten.
- Acht Themengärten an den Weiden am Flussufer, jeweils 150 bis 230 Quadratmeter groß.
- Fünf „Sams“-Spielwelten, die die bekannte Kinderbuchgeschichte erzählten — entwickelt mit dem Bamberger Autor Paul Maar.
- Ein Weinberg am Fuß des Klosters Michelsberg, mit dem eine rund 200 Jahre alte Weinbautradition wiederbelebt wurde.
- Mitmach- und Lernorte wie eine Imker-Anlage und ein Ausstellungs-Klassenzimmer der Gärtnereien.
Dazu kamen ein dichtes Veranstaltungsprogramm und Werke im öffentlichen Raum. Beides hat eigene Seiten: Veranstaltungen & Programm und Kunst im öffentlichen Raum.
05 Nachhaltigkeit: warum der Park blieb
Der entscheidende Unterschied zu einer klassischen Wechselausstellung lag im Plan dahinter. Das Gelände war von Beginn an als dauerhafter Stadtpark mit angrenzendem Universitätsquartier gedacht. Deshalb wurde nach dem 7. Oktober 2012 nicht abgebaut, sondern weitergenutzt: Rund 13 Hektar blieben als öffentlicher Park, auf etwa 5 Hektar entstanden der Campus der Universität Bamberg und Wohnungen.
Die historischen Fabrikhallen aus dem 19. Jahrhundert wurden zu Hörsälen und Seminarräumen umgebaut, Teile der Werksgebäude zu Studierendenwohnungen. So wurde aus dem Ausstellungsgelände ein lebendiges Quartier. Den langen Weg von der Spinnerei bis hierher zeichnet die Seite zur Geschichte der ERBA nach.
06 Was von 2012 heute noch zu sehen ist
Wer heute über die Insel geht, läuft mitten durch das Erbe der Schau. Die Wege, Beete, Spiel- und Sportflächen, der Fischpass, die Aussichtshügel und die Uferpromenaden sind geblieben — und werden täglich genutzt. Aus dem Ausstellungssommer 2012 ist ein Park für den Alltag geworden.
Wie dieser Park heute aussieht, was er bietet und wie man ihn besucht, lesen Sie ausführlich auf der Seite zum ERBA-Park heute. So schließt sich der Bogen: von der Industriebrache über die Landesgartenschau bis zur grünen Insel mitten in Bamberg.