bamberg2012ERBA-Park & Gartenschau
Industriegeschichte

Von der Baumwollspinnerei zum Park: die ERBA

Über 135 Jahre wurde auf der Insel Baumwolle gesponnen. Wie aus einem der größten Werke der Region eine Brache und schließlich ein Park wurde.

Aktualisiert am 11.6.2026

Bevor auf der Insel ein Park entstand, war sie über ein Jahrhundert lang ein Ort der Arbeit. Die Geschichte der ERBA ist die Geschichte der Industrialisierung Bambergs — und sie erklärt, warum der heutige ERBA-Park so heißt, wie er heißt.

01 1858: die Spinnerei in Gaustadt

1858 wurde in Bamberg-Gaustadt die „Mechanische Baumwoll-Spinnerei und Weberei Bamberg“ gegründet. Sie nutzte die Wasserkraft der Regnitz und war das erste große Unternehmen der Region. Damit begann auf der Insel ein neues Kapitel: Wo zuvor der Fluss das Bild bestimmt hatte, prägten nun Fabrikhallen, Schornsteine und der Takt der Maschinen den Ort.

Die Wasserkraft war kein Nebenaspekt, sondern der Grund für den Standort. Die Lage zwischen den Regnitz-Armen lieferte die Energie — und legte zugleich den Grundstein für die spätere Insel-Gestalt des Geländes.

02 1927: aus Bamberg und Erlangen wird ERBA

1927 schloss sich das Bamberger Werk mit der „Baumwollspinnerei Erlangen“ zusammen. Das vereinigte Unternehmen trug fortan den Namen „Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg“ — abgekürzt ERBA. 1964 wurde daraus die ERBA AG. In ihren besten Zeiten war die Spinnerei einer der bedeutendsten Arbeitgeber Gaustadts und prägte das Leben des Stadtteils über Generationen.

Ganze Familien fanden hier über Jahrzehnte Arbeit, und das Werk bestimmte den Takt des Alltags in Gaustadt — von den Schichtzeiten bis zum gesellschaftlichen Leben rund um die Fabrik. Wer in Gaustadt aufwuchs, hatte fast zwangsläufig mit der Spinnerei zu tun. Umso schwerer wog später ihr Ende.

03 1993: das Ende der Produktion

1993 stellte die ERBA AG die Produktion ein, 1993/1994 folgte die Insolvenz. Für Gaustadt war das ein tiefer Einschnitt: Der Stadtteil verlor seinen größten Arbeitgeber und ein Stück wirtschaftliche Bedeutung. Das rund 20 Hektar große Areal fiel brach — eine große, schwer nutzbare Industriefläche mitten im Stadtgebiet, in Teilen mit Altlasten im Boden.

Was über Jahrzehnte selbstverständlich zum Ort gehört hatte, war damit über Nacht Vergangenheit. Die Frage, was aus der Insel werden sollte, blieb zunächst offen — eine so große Fläche lässt sich nicht von heute auf morgen neu nutzen.

04 Von der Brache zum Park

Aus dieser schwierigen Ausgangslage wurde eine Chance. Die Bewerbung um die Landesgartenschau 2012 bot den Rahmen, um die Brache neu zu denken — nicht als kurzlebige Ausstellung, sondern als dauerhaften Stadtpark mit Universitätsquartier. Belasteter Boden wurde saniert, unter anderem unter den drei Aussichtshügeln auf dem Gelände.

Die historischen Backsteinhallen aus dem 19. Jahrhundert blieben erhalten: Sie wurden zu Hörsälen, Seminarräumen und Wohnungen umgebaut. So erzählt die Architektur weiter von der Zeit der Spinnerei, während auf demselben Areal heute studiert, gewohnt und spaziert wird. Die Geschichte der ERBA ist damit nicht abgeschlossen — sie wird im Park und im Campus täglich fortgeschrieben.

05 Die Insel-Lage als roter Faden

Eines verbindet alle Kapitel dieser Geschichte: die Lage am Wasser. Die Wasserkraft der Regnitz war 1858 der Grund, hier eine Spinnerei zu errichten; sie machte die Insel zum Industriestandort. Über 135 Jahre prägte die Fabrik den Ort, ehe die Produktion endete und das Areal brachfiel. Und es war wieder das Wasser, das dem Gelände als Park ein neues Gesicht gab — von den Uferwegen bis zum Fischpass. So zieht sich die Regnitz wie ein roter Faden von der Spinnerei bis zum heutigen ERBA-Park.

Die Geschichte der ERBA ist auch wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Die Universität Bamberg untersuchte in einem Forschungsprojekt die Entwicklung des Werks von der Gründung 1858 bis zur Insolvenz 1993 — mit Blick auf Unternehmenskultur, Arbeitsalltag und Stadtentwicklung. Dass die Hochschule heute auf demselben Areal Räume hat, schließt einen Kreis: Wo einst gesponnen und gewebt wurde, wird nun geforscht und gelehrt.

Zeitleiste der ERBA in fünf Stationen: 1858 Gründung der Baumwollspinnerei in Gaustadt, 1927 Zusammenschluss mit Erlangen zur ERBA, 1964 Umfirmierung zur ERBA AG, 1993 Ende der Produktion und Insolvenz, 2012 Umwandlung in einen öffentlichen Park und Universitätscampus über die Landesgartenschau.
Von der Spinnerei zum Park: die wichtigsten Stationen der ERBA von 1858 bis heute.
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Häufige Fragen

Wofür steht der Name ERBA?

ERBA steht für Erlangen-Bamberg. Der Name geht auf die „Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg“ zurück, die aus der Zusammenführung zweier Textilunternehmen hervorging.

Wann wurde die Spinnerei in Bamberg gegründet?

1858 entstand in Bamberg-Gaustadt die „Mechanische Baumwoll-Spinnerei und Weberei Bamberg“. Sie nutzte die Wasserkraft der Regnitz und war das erste große Unternehmen der Region.

Wie kam es zum Namen Erlangen-Bamberg?

1927 schloss sich das Bamberger Werk mit der „Baumwollspinnerei Erlangen“ zusammen. Das vereinigte Unternehmen firmierte fortan als „Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg“ — kurz ERBA. 1964 wurde der Name zur ERBA AG.

Wann endete die Produktion?

1993 stellte die ERBA AG die Produktion ein; es folgte die Insolvenz 1993/1994. Gaustadt verlor damit seinen größten Arbeitgeber.

Warum war die Lage an der Regnitz wichtig?

Die Wasserkraft der Regnitz lieferte die Energie für die Spinnerei. Die Insel-Lage war damit kein Zufall, sondern der Grund, warum hier überhaupt eine Fabrik entstand.

Was geschah mit dem Areal nach 1993?

Nach dem Produktionsende fiel das rund 20 Hektar große Gelände brach. Erst die Bewerbung um die Landesgartenschau eröffnete eine neue Perspektive für die Industriebrache.

Sind die alten Fabrikgebäude erhalten?

Ja. Die historischen Backsteinhallen aus dem 19. Jahrhundert wurden umgebaut und beherbergen heute Teile der Universität Bamberg sowie Wohnungen.

Wie wurde die Geschichte der ERBA aufgearbeitet?

Die Universität Bamberg untersuchte in einem Forschungsprojekt die Geschichte der Spinnerei von der Gründung 1858 bis zur Insolvenz 1993 — mit Blick auf Unternehmenskultur, Arbeitsalltag und Stadtentwicklung.