Wer den ERBA-Park besucht, lernt nur eine Seite des grünen Bamberg kennen. Die andere ist viel älter: die Gärtnerstadt, in der seit dem Mittelalter mitten in der Stadt Gemüse angebaut wird. Beide zusammen machen Bamberg zu einer ungewöhnlich grünen Stadt.
01 Die Gärtnerstadt als Teil des Welterbes
Die Altstadt von Bamberg gehört seit 1993 zum UNESCO-Welterbe. Sie gliedert sich in drei Bereiche mit jeweils eigenem Charakter: die Inselstadt zwischen den Regnitz-Armen, die Bergstadt mit dem Dom — und die Gärtnerstadt. Letztere ist ein wesentlicher Bestandteil des Welterbes und zugleich der unbekanntere unter den drei Teilen.
In der Gärtnerstadt haben sich seit dem späten Mittelalter Gärtnerhäuser mit ihren anschließenden Anbauflächen erhalten. Das Besondere: Diese Struktur aus Hofstelle und unmittelbar angrenzendem Garten ist mitten in der Stadt bis heute lesbar geblieben — eine Verbindung von Wohnen und Erwerbsgartenbau, die in dieser Dichte selten ist.
Die drei Bereiche erzählen jeweils eine andere Geschichte der Stadt: Die Inselstadt war das bürgerliche und kaufmännische Zentrum, die Bergstadt mit Dom und Residenzen das geistliche und herrschaftliche — und die Gärtnerstadt das der arbeitenden Erwerbsgärtner. Dass alle drei bis heute nebeneinander erhalten sind, macht den besonderen Wert des Bamberger Welterbes aus.
02 Lebendige Tradition, kein Museum
Die Gärtnerstadt ist kein erstarrtes Denkmal. In ihr wird bis heute angebaut. 2016 wurde der innerstädtische Erwerbsgartenbau in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen — eine Anerkennung dafür, dass hier eine lebendige Praxis fortgeführt wird und nicht nur historische Bausubstanz erhalten ist.
Ein Beispiel für diese lebendige Tradition ist das Süßholz, einst ein Exportprodukt der Bamberger Gärtner. An seiner Wiederkultivierung wird heute gearbeitet. Wer tiefer eintauchen möchte, findet im Gärtner- und Häckermuseum die Geschichte der Bamberger Gärtner und Häcker anschaulich aufbereitet.
Neben dem Süßholz stehen die Bamberger Gärtner für eine ganze Reihe lokaler Spezialitäten und alter Gemüsesorten, die hier über Generationen weitergegeben wurden. Der Name „Häcker“, der dem Museum seinen zweiten Teil gibt, erinnert zudem an die Weinbauern, die einst die Hänge rund um die Stadt bewirtschafteten. Gärtner und Häcker prägten so gemeinsam das grüne Gesicht Bambergs.
Diese Aufnahme in das immaterielle Kulturerbe ist mehr als eine Auszeichnung: Sie hält fest, dass es um ein Wissen geht, das nur weiterlebt, solange es weitergegeben wird — vom Aussäen über die Pflege bis zur Ernte. Anders als ein Bauwerk lässt sich eine solche Praxis nicht einfach konservieren; sie muss Jahr für Jahr aufs Neue ausgeübt werden.
03 Wo man die Gärtnerstadt erlebt
Wer die Gärtnerstadt verstehen will, beginnt am besten beim Gärtner- und Häckermuseum, das die Geschichte der Bamberger Gärtner und Häcker anschaulich aufbereitet. Von dort lassen sich die typischen Gärtnerhäuser und die schmalen Anbauflächen dahinter zu Fuß erkunden. Anders als in einem klassischen Museum spielt sich das Wesentliche im Freien ab: in den Beeten zwischen den Häusern, die bis heute bestellt werden.
Gerade diese Lebendigkeit macht den Unterschied. Die Gärtnerstadt ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern eine fortlaufende Praxis — und damit ein lebendiger Teil des Welterbes, der sich Jahr für Jahr neu zeigt.
04 Zwei grüne Welten, ein Besuch
Gärtnerstadt und ERBA-Park stehen für zwei unterschiedliche Arten von Grün: hier der gewachsene, jahrhundertealte Erwerbsgartenbau, dort der neue öffentliche Park auf einer früheren Industriebrache. Der eine Ort ist über Jahrhunderte gewachsen, der andere in wenigen Jahren geplant und gebaut worden — und doch ergänzen sich beide zu einem stimmigen Bild der grünen Stadt. Gerade dieser Kontrast macht einen Besuch reizvoll.
Beide liegen nicht weit auseinander. Ein Tag in Bamberg lässt sich deshalb gut kombinieren: ein Bummel durch die Gärtnerviertel, dann über die Uferwege hinaus zum ERBA-Park, der aus der Landesgartenschau 2012 hervorging. Wie Sie beides verbinden, lesen Sie auf der Seite Besuch & Anfahrt.