Eine Landesgartenschau lebt von Pflanzen — aber nicht nur. Auf der ERBA-Insel traf 2012 die Garten- und Wasserlandschaft auf Kunst im öffentlichen Raum, und in der Stadt ergänzte eine bemerkenswerte Ausstellung das Programm. Beides gehörte zur Landesgartenschau 2012.
01 Kunst auf dem Gelände
Kunst im öffentlichen Raum war fester Bestandteil der Schau. Werke wurden über das Gelände verteilt und traten in einen Dialog mit ihrer Umgebung — mit den Beeten, den Wegen, dem Wasser und den roten Backsteinbauten der früheren Spinnerei. Zu den Arbeiten im Programm gehörte „Achsengang“.
Der Reiz lag in der Kulisse: Auf einer früheren Industriebrache, umgeben von Fluss und frischem Grün, bekam Kunst einen besonderen Resonanzraum. Sie konkurrierte nicht mit der Natur, sondern setzte Akzente in ihr.
Kunst im öffentlichen Raum funktioniert dabei anders als im Museum: Sie hat keinen Rahmen und keine Wand, sondern steht mitten im Geschehen — dem Wetter, dem Licht und den Jahreszeiten ausgesetzt. Wer über die Insel ging, begegnete den Werken beiläufig, zwischen zwei Beeten oder am Ufer. Gerade diese Unmittelbarkeit machte ihren Reiz aus und unterschied sie von einer klassischen Ausstellung in geschlossenen Räumen.
02 Die „12 Kunsträume“ in der Villa Dessauer
Den größten Nachhall hatte eine Ausstellung abseits des Geländes: die „12 Kunsträume“. Der Förderverein der Landesgartenschau richtete sie gemeinsam mit Bamberger Museen aus. In zwölf Räumen der Stadtgalerie Villa Dessauer wurden Werke weltbekannter Künstlerinnen und Künstler gezeigt — darunter Picasso, Miró, Dalí, Vasarely, Chagall, Warhol, Lichtenstein, Christo und Beuys.
Damit reichte die Schau bis in die Innenstadt hinein. Wer die Beete auf der Insel besucht hatte, konnte in der Stadt moderne Klassiker der Kunstgeschichte sehen — ein Brückenschlag zwischen Garten und Galerie.
Dass ausgerechnet diese Namen in Bamberg zu sehen waren, verschaffte der Schau überregionale Aufmerksamkeit. Die Villa Dessauer als städtische Galerie bot dafür den passenden Rahmen, und der Förderverein verband so die Gartenschau mit dem kulturellen Leben der Stadt. Wer wollte, konnte den Tag auf der Insel beginnen und ihn in der Innenstadt vor einem Werk der klassischen Moderne beschließen.
03 Warum Kunst zu einer Gartenschau gehört
Auf den ersten Blick mag Kunst auf einer Gartenschau wie ein Zusatz wirken. Tatsächlich hat beides dieselbe Wurzel: das Gestalten von Räumen, in denen sich Menschen aufhalten. Ein Beet ist komponiert wie ein Bild, ein Weg führt den Blick wie eine Skulptur. Auf der ERBA-Insel kam ein Drittes hinzu — die Industriegeschichte mit ihren Backsteinbauten und dem Wasser ringsum.
Aus dieser Mischung entstand ein besonderer Resonanzraum. Die Kunst trat nicht in Konkurrenz zu Natur und Geschichte, sondern verstärkte beide: Sie lenkte den Blick auf Stellen, die man sonst übersehen hätte, und gab dem Rundgang über die Insel einen zusätzlichen Sinn. Dass einiges davon im Park bleiben sollte, war nur folgerichtig.
Hinzu kommt, dass eine Gartenschau ohnehin von Vergänglichkeit handelt: Beete blühen auf und vergehen, eine Saison folgt der nächsten. Kunst setzt dem etwas Dauerhaftes entgegen. In diesem Spannungsfeld — zwischen dem Wechsel der Jahreszeiten und dem Anspruch, etwas zu bewahren — fand die Kunst auf der ERBA-Insel ihren Platz.
04 Kunst, die bleiben sollte
Anders als bei einer reinen Wechselausstellung war der Anspruch, dass etwas bleibt. Der Förderverein verfolgte das Ziel, temporäre Werke nach dem Ende der Schau dauerhaft im ERBA-Park zu zeigen. Kunst sollte so — wie der Park selbst — Teil des bleibenden Erbes der Landesgartenschau werden und den Ort über den Ausstellungssommer hinaus prägen.
So fügt sich die Kunst in das Gesamtbild der Schau: Vieles war für einen Sommer gedacht, einiges für die Dauer. Wie aus dem Schaugelände ein lebendiger Park wurde, lesen Sie auf den Seiten zum ERBA-Park heute und zur Geschichte der ERBA.