Der ERBA-Park ist eine der ungewöhnlichsten Grünflächen Bambergs: Er liegt nicht am Stadtrand, sondern auf einer Insel mitten in der Regnitz, und er ist erst wenige Jahre alt — und doch über 150 Jahre Industriegeschichte alt. Entstanden ist er aus der 16. Bayerischen Landesgartenschau, die 2012 auf dem Gelände der ehemaligen ERBA-Spinnerei stattfand. Anders als bei vielen Gartenschauen wurde das Gelände danach nicht zurückgebaut. Es blieb als Park erhalten und ist heute ein fester Teil des Bamberger Alltags.
01 Wo liegt der ERBA-Park?
Der Park liegt im Westen Bambergs, im Bereich des Stadtteils Gaustadt, an der Straße „An der Weberei“. Die Adresse erinnert noch an die textile Vergangenheit des Ortes. Von der Altstadt aus sind es rund 1,5 Kilometer Richtung Westen — gut zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen.
Das Besondere ist die Lage: Die Regnitz teilt sich hier in mehrere Arme, und der Park breitet sich auf der so entstandenen Insel aus. Wasser ist deshalb fast überall present — als ruhiger Flusslauf, als Altarm, als künstlich angelegter Bach. Durchgehende Uferwege verbinden den Park mit den nördlichen und südlichen Grünzügen der Stadt; man kann also entlang der Regnitz bis hierher spazieren, ohne große Straßen queren zu müssen.
02 Vom Industrieareal zum Bürgerpark
Von 1858 bis 1993 wurde auf dem Areal Baumwolle gesponnen. Der Name ERBA steht für Erlangen-Bamberg und geht auf das Textilunternehmen zurück, das hier produzierte. Mit der Schließung der Spinnerei verlor die Insel ihre Funktion; das rund 20 Hektar große Gelände lag brach.
Die Bewerbung um die Landesgartenschau bot die Chance, diese Industriebrache neu zu denken. Statt einer reinen Ausstellung, die nach einem Sommer wieder verschwindet, wurde von Beginn an ein dauerhafter Stadtpark mitsamt Universitätsquartier geplant. Genau deshalb gibt es den ERBA-Park heute überhaupt. Vom Hauptgelände auf der Insel — rund 18,5 Hektar — blieben etwa 13 Hektar als öffentlicher Park erhalten; auf den übrigen rund 5 Hektar entstanden der Campus der Universität Bamberg und Wohnungen.
03 Wege, Wiesen und Wasser: der Park heute
Wer den Park betritt, merkt schnell, dass hier nichts an eine klassische Schmuck-Parkanlage erinnert. Der ERBA-Park ist offen, weitläufig und vom Wasser geprägt. Breite, befestigte Wege ziehen sich an den Ufern entlang, dazwischen liegen große Wiesen, Baumgruppen und Staudenbeete. Im Sommer sind es vor allem die Staudenpflanzungen, die dem Park Farbe geben; im Winter treten die Linien der Wege und die Wasserläufe in den Vordergrund.
Die heutige Größe von etwa 13 Hektar macht den Park zu einer der größten zusammenhängenden Grünflächen im Bamberger Westen. Weil er auf einer Insel liegt, ist er an mehreren Seiten von Wasser begrenzt — das gibt selbst an belebten Tagen ein Gefühl von Weite. Die durchgehenden Uferwege laden außerdem dazu ein, den Besuch mit einem längeren Spaziergang entlang der Regnitz zu verbinden.
04 Spiel, Sport und Bewegung
Der ERBA-Park ist vor allem ein Park zum Aktivsein. Über das Gelände verteilen sich mehrere Spiel- und Bewegungsangebote für unterschiedliche Altersgruppen:
- Kletterturm und Klettergarten im Bereich Birkenhain für ältere Kinder, die hoch hinaus wollen.
- Wasserspielbereiche am Altarm der Regnitz und am Fischpass, an denen man im Sommer mit dem Wasser spielen kann.
- Eine Ballsport-Arena für Fußball und andere Spiele.
- Ein Sandspielbereich und der „Sams“-Spielplatz für die Kleineren.
- Der Mehrgenerationenparcours nahe dem Birkenhain-Spielplatz, eine frei nutzbare Fitness- und Bewegungsanlage, die im Oktober 2017 ergänzt wurde.
Damit deckt der Park ein breites Spektrum ab — vom Sandkasten bis zur Bewegungsstation für Erwachsene. Die Angebote liegen über das Gelände verteilt, sodass sich Spiel, Sport und ruhige Wiesenflächen nicht in die Quere kommen.
05 Das Wasser: Regnitz, Fischpass und Umgehungsbach
Kein Element prägt den ERBA-Park so sehr wie das Wasser. Die Regnitz umfließt die Insel, ein Altarm zieht sich durch das Gelände, und ein eigens angelegter Umgehungsbach bringt das Wasser bis in die Spielbereiche hinein.
Das wichtigste wasserbauliche Projekt der Landesgartenschau war der Fischpass. Er überwindet ein Wanderungshindernis, das in der unteren Regnitz über 150 Jahre lang bestanden hatte, und macht den Fluss für wandernde Fische wieder durchlässig. Was als ökologische Maßnahme begann, ist heute zugleich ein landschaftlicher Blickfang: Die abgestuften Wasserläufe gehören zu den meistfotografierten Stellen des Parks. Wer genauer wissen will, wie das Gelände aufgebaut ist, findet auf der Seite zum Gelände & Plan eine Orientierung.
06 Die alten ERBA-Bauten und der Uni-Campus
Die Industriegeschichte ist im Park nicht verschwunden, sondern sichtbar geblieben. Die historischen Fabrikhallen aus dem 19. Jahrhundert wurden nicht abgerissen, sondern umgebaut: Heute beherbergen sie Hörsäle und Seminarräume der Universität Bamberg, Teile der ehemaligen Werksgebäude dienen als Studierendenwohnungen.
So teilen sich Park und Campus die Insel. Die roten Backsteinbauten geben dem Areal seinen unverwechselbaren Charakter und erzählen weiter von der Zeit, als hier gesponnen wurde. Wie aus der Spinnerei ein Quartier wurde, schildert die Seite zur Geschichte der ERBA ausführlicher.
07 Gärten und Natur durch die Jahreszeiten
Neben den weiten Wiesen und Staudenbeeten gibt es im Park auch ein Stück gelebte Gartenkultur: Die Kleingartenanlage „Schwarze Brücke“ ist in das Gelände integriert. Private Parzellen mit ihren bunten Beeten liegen unmittelbar neben den öffentlichen Flächen — ein Nebeneinander, das gut zu Bamberg passt, einer Stadt mit langer Gärtnertradition.
Diese Tradition reicht weit über die Insel hinaus: Die Gärtnerstadt Bamberg gehört zum UNESCO-Welterbe. Der ERBA-Park lässt sich deshalb gut mit einem Besuch der historischen Gärtnerviertel verbinden. Im Jahreslauf zeigt der Park unterschiedliche Gesichter — von den ersten Stauden im Frühjahr über die volle Sommerblüte bis zu den klaren, ruhigen Wintertagen am Wasser.
08 Besuch: Anfahrt, Parken und Einkehr
Der ERBA-Park ist ganzjährig frei zugänglich. Am bequemsten erreicht man die Insel zu Fuß oder mit dem Rad — etwa über den Fünferlessteg, der einen Regnitz-Arm quert. Wer mit dem Auto kommt, findet ein Parkhaus „An der Weberei 5“; das Parken in den umliegenden Wohnstraßen ist teils nur mit Bewohnerausweis erlaubt.
Für die Pause gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten: das Restaurant Saphir mit sri-lankischer Küche, das saisonale Café „Gärtnerhüttla“ bei den Kleingärten sowie das Café „Zeiten und Wunder“ in der Nähe des Sams-Spielplatzes. Für Hunde, Radfahren und ähnliche Themen gilt die Parkordnung der Stadt Bamberg; die aktuellen Regelungen stehen auf den Hinweistafeln vor Ort. Eine ausführliche Anreise-Beschreibung finden Sie auf der Seite Besuch & Anfahrt.
So ist der ERBA-Park heute beides zugleich: das dauerhafte Erbe der Landesgartenschau 2012 und ein lebendiger Stadtpark, der weit mehr ist als die Erinnerung an einen Ausstellungssommer.